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Vom Museum in die Stadt – die »Web-App« des Stadtmuseums Cottbus

Ein Beitrag des Stadtmuseums Cottbus

© Stadtmuseum CottbusIn den vergangenen Jahren entstanden in der täglichen Arbeit des Stadtmuseums Cottbus eine Reihe thematisch ganz unterschiedlicher Stadtführungen. In der ständigen Auseinandersetzung mit der Geschichte und den Geschichten der Stadt kommen auch ständig neue Ideen für historische Stadtspaziergänge in Cottbus hinzu. Diese Touren lagern inzwischen als Stapel in der »Schublade«. Im Kollegium diskutiert, wurde mit Blick auf diese Sammlung nun die Idee zum Projekt: Eine Plattform zur Teilhabe für Museumsbesucherinnen und -besucher, für an Geschichte der Stadt Cottbus Interessierte, sollte entstehen. Mit der Konzeption und inhaltlichen Ausgestaltung sowie redaktionellen Betreuung wurden Tim Köhler (Leiter des von der Kulturstiftung des Bundes geförderten Projektes »Sportlich auf dem Weg zum Cottbuser Ostsee«) und ein Cottbuser Unternehmen für die Realisierung des technisch-informatischen Parts betraut.

Die Plattform als App sollte folgendes leisten bzw. beinhalten:

-    Individuelle Stadterkundungen ohne Anleitung und Führung
-    Themenwahl und -zuschnitt für die Touren richten sich an Einwohner der Stadt und Touristen
-    Als „Pilot“ für die App wird eine Sport-Tour aus einem laufenden Projekt heraus finanziert und umgesetzt
-    Technische Voraussetzung für den Nutzer ist ein Smartphone und seine permanente Internetanbindung
-    Unabhängigkeit von »App-Stores«, daher die Entscheidung für eine sog. Web-App

Um Hindernisse, wie den Download in einem »App-Store« zu umgehen, regte Tim Köhler die Entwicklung einer »Web-App« an. Dabei handelt es sich um eine App, welche wie eine »normale« Web-Site über den Internetbrowser aufgerufen wird und so auf jedem Endgerät funktioniert. Download, Installation, Anmeldung und so weiter sind somit nicht notwendig. Es gilt das Motto: »Anklicken und los geht’s!« und für den Anbieter (Museum) entfällt der im Verhältnis zur »nativen»« App unverhältnismäßige finanzielle Aufwand in der Anschaffung und Pflege, der in etwas 1:3 oder sogar mehr beträgt.

»Sportlich auf dem Weg zum Cottbuser Ostsee« – die erste Tour ist online

Im ersten Schritt entstand eine »Web-App«, welche vorerst eine Tour bietet. Sie umfasst elf Stationen, die sich Cottbus als Sportstadt widmen. An jeder Station der circa 30 Kilometer langen Route kommen verschiedene Protagonisten zu Wort. Die zeitlichen Dimensionen reichen dabei von der Vergangenheit bis in die Zukunft. An jeder Station folgen einer kurzen textlichen Vorstellung des jeweiligen Ortes bis zu sechs Audiosequenzen der Protagonisten – zwischen einer und drei Minuten lang, basierend auf Interviews. Fotografien ergänzen die Informationen und Geschichten zu den Stationen. Auch Videosequenzen können noch hinzugefügt werden. So erzählen beispielsweise an der Station am Cottbuser Sportzentrum ganz subjektiv ein ehemaliger Eishockey-Spieler, ein Radrenntrainer und der Geschäftsführer des Stadtsportbundes als Funktionär von der Geschichte, Gegenwart und möglichen Zukunft des Sportzentrums samt Olympiastützpunkt und Sportschule. Das ist mal mehr Anekdote, auch Testimonial oder Expertenmeinung.

Die Abbildung verschiedener Perspektiven zu den Stationen betont das partizipative Anliegen hinter Projekt und Tour. So spricht ein Ortschronist anders über den zukünftigen »Cottbuser Ostsee« als die Ortsvorsteherin oder der Trainer der Sportmannschaft der Freiwilligen Feuerwehr. Die Vielfalt in der Auswahl der Protagonisten rund um das Thema Sport markiert die spezifische Qualität dieser ersten »Web-App-Führung«. Dafür sprechen 80 Minuten Audio in 45 Interviewausschnitten mit 30 Protagonisten. Der Cottbuser Sport und auch die Entwicklung des zurzeit in Flutung befindlichen »Cottbuser Ostsees« werden von vielen Personen begleitet und diese machen wir »sichtbar«, indem wir ihre Stimmen vereinen und zugänglich machen.

Wie geht‘s weiter?

Eine »Baustelle« im Projekt »Web-App« ist die momentan ausschließliche Nutzbarkeit durch mobile Endgeräte. Eine Version für den Heimcomputer (Desktop) ist zwar vorgesehen, konnte bisher aber noch nicht umgesetzt werden. Die Erweiterung ist im kommenden Jahr geplant.

Insbesondere steht nun die Erweiterung der App mit einem breiteren Angebot an Media-Touren an. Die Basis dafür entwickelten die Kolleginnen und Kollegen von Stadtmuseum und Stadtarchiv zum Teil schon vor Jahren. Das »Storytelling« muss jedoch noch an das neue Format angepasst und das Ganze produziert und integriert werden. Solche Touren könnten inhaltlich u.a. die Stadt zur Zeit des Mittelalters oder der Industrialisierung in den Blick nehmen. Oder es könnte um Geschichte und Gegenwart des jüdischen Cottbus sowie naturkundliche oder kunstbezogene Pfade durch die Stadt gehen. Diese Media-Touren, Audio-Führungen, Stadtspaziergänge können dann auf der Startseite nach Wunsch ausgewählt und nachgegangen bzw. abgefahren werden.

Neben dem interviewbasierten Format sollen weitere Formate entstehen. Besondere Herausforderungen stellen sich hier in einer verstärkten Aktivierung der Nutzerinnen und Nutzer. Eine größere Einbindung durch zum Beispiel stärkere Interaktivität kann vielleicht weitere Nutzergruppen erreichen. Hierbei können möglichweise Aufgaben vor Ort gelöst oder Fragen beantwortet werden – Stadtrallye, Rätsel, Quiz etc.

Diese Touren wollen wir jedoch nicht nur in eigener Regie entwickeln. Auch außenstehende Personen oder Personengruppen können die »Web-App« durch ihre Zuarbeit aufwerten, indem sie sie selbst ausgestalten. So haben beispielsweise Vorsteher eingemeindeter Ortschaften bereits Interesse an eigenen Touren durch eben ihre Stadtteile bekundet.

© Stadtmuseum Cottbus© Stadtmuseum Cottbus

Ein Werkzeug für die Museumspädagogik

Die »Web-App« ist besonders für die museumspädagogische Arbeit von großem Interesse. Einerseits ermöglicht sie es Gruppen den Stadtraum durch Angebote des Stadtmuseums kennen zu lernen. Das Museum kann so seine Präsenz bei Einheimischen und Touristen verstärken, vielleicht auch das Interesse an einem Besuch der Ausstellungen des Stadtmuseums, soweit der Plan. Auch Lehrerinnen und Lehrer sollen von diesem neuen »Werkzeug« Gebrauch machen. Museale Arbeit und Themen gelangen somit verstärkt in den schulischen Alltag.

Die Entwicklung und Produktion solcher Touren kann auch Zentrum museumspädagogischer Angebote selbst sein. Seit einigen Jahren schon entstehen durch die Arbeit von Schulklassen und Gruppen weiterer Bildungseinrichtungen (zum Beispiel in universitären Kursen) Touren durch die Stadt. Diese gestalten sie z.B. in Projektwochen. Die Ergebnisse solcher Projekte könnten auch über die »Web-App« veröffentlicht werden. In ersten Gesprächen zeigten Lehrerinnen und Lehrern ihr Interesse für diesen neunen Ansatz in der Arbeit mit Schulklassen. Demnächst präsentieren wir unsere Ideen und Vorschläge in einer vom Schulamt angebotenen Fortbildung.

Resümee

Eine App stand schon seit Jahren auf unserer »Wunschliste«. Durch die Projektförderung im Fonds für Stadtmuseen der Kulturstiftung Bundes und mit der zusätzlichen Arbeitskraft und den Erfahrungen des Projektleiters konnten wir eine Basis-Version der App realisieren. Zukünftig wird die Arbeit mit und in der App ein zentrales Angebot der Wissensaufbereitung und -vermittlung am Stadtmuseum Cottbus sein. Nach unserem Verständnis endet unser Tun nicht an der Tür des Museums, sondern »strahlt« in die den Stadtraum und die Region hinaus bzw. holt genau diese wiederum in unser Haus. So kann unsere Arbeit auch Personen erreichen, die nicht gleich an unser Museum denken, wenn sie sich für Cottbus interessieren.
Klicken Sie sich doch mal rein!    

Link zur Web-App: www.stadtmuseum-cottbus.de/web-app.html

Der Blogbeitrag ist Teil der Reihe "Brandenburgische Museen digital" und wird redaktionell vom Museumsverband des Landes Brandenburg e.V. betreut. www.museen-brandenburg.de/aktivitaeten/projekte/digitalisierung/

 

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