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Soziale Netzwerke – Eine Chance für brandenburgische Museen!?

Am 2. September 2019 traf sich zum zweiten Mal die AG Brandenburgische Museen digital. Gastgeber für die 35 Teilnehmer*innen des Treffens war das Ofen- und Keramikmuseum Velten, das mit seiner museumspädagogischen Werkstatt den perfekte Rahmen für die lebendigen Diskussionen des Tages bot. Nachdem am Vormittag die Möglichkeiten der Förderung von Digitalisierungsprojekten im Fokus standen, gehörte der Nachmittag ganz der Frage: Welche Möglichkeiten und Chancen bieten soziale Netzwerke den brandenburgischen Museen?
 

Soziale Netzwerke nicht erstes Mittel der Wahl

Bevor es mit einigen Bespielen ins Detail ging, führten Zahlen des Museumsverbands Brandenburg in das Thema ein. Die Daten speisten sich aus einer allgemeinen statistischen Erhebung zur Lage der Museen aus dem Jahr 2017 sowie aktuellen Recherchen. Demnach liegt der Anteil der brandenburgischen Museen, die soziale Netzwerke für ihre Arbeit nutzen, bei rund einem Fünftel – konkret sind es 70 Museen. Im  Ranking der regelmäßigen Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit rangieren die Sozialen Medien deutlich abgeschlagen hinter der Produktion von Flyern, Broschüren und Plakaten oder der konventionellen Pressearbeit. Fast jedes Museum bestückt seine eigene Internetseite oder die seines Trägers mit seinen Angeboten und Veranstaltungen. Newsletter haben Seltenheitswert.

Facebook wie zu erwarten in Front

Das beliebteste Netzwerk bei den brandenburgischen Museen ist mit Abstand Facebook. 64 Museen tummeln sich hier mehr oder weniger aktiv. Die Followerzahlen bewegen sich von über 10.000 beim Platzhirsch Museum Barberini bis zu wenigen Dutzend. In der Breite sind 500 bis 1500 Follower die Regel. Neben der aktiven und regelmäßigen Arbeit begünstigen die Lage eines Museums aber auch seine Themen die Reichweite. Museen in Städten mit vergleichsweise hohen Einwohnerzahlen scheinen es leichter zu haben eine Community aufzubauen, als Museen in den ländlichen Regionen. Auffällig ist dabei, dass dennoch viele vereinsgetragene, also vor allem ehrenamtlich betriebene Museen, auf Facebook setzen. Diese Museen machen den Großteil der brandenburgischen Museumslandschaft im ländlichen Raum aus.

Sparten wecken Interesse

Weiterhin scheinen es Spartenmuseen (Kunst, Archäologie, Technik- und Industriegeschichte, Zeitgeschichte/Gedenkstätten) leichter zu haben, Menschen in den sozialen Netzwerken für sich zu begeistern. Mehrspartenmuseen, also die klassischen Regionalmuseen, kommen meist nur auf eine kleine Community. Aber auch hier kann die aktive Bespielung Sozialer Medien Erfolge und Aufmerksamkeit für das Museum bedeuten, vor allem im engeren lokalen Umfeld. Auf dem AG Treffen zeigte Corinna Junker, Leiterin vom Museum Schloss Lübben, beispielhaft, wie ihr Museum über Facebook (und auch Istagram und Twitter) für seine Veranstaltungen und Aktivitäten in der lokalen Öffentlichkeit, gegenüber anderen Playern im Kulturbereich (regionaler Tourismus) und Entscheidungsträgern der kommunalen Verwaltung (Bürgermeister, Kulturamtsleiter usw.) erfolgreich Sichtbarkeit generiert. Das Industriemuseum Brandenburg, so sein Leiter Marius Krohn, setzt neben stetiger Aktivität im eigenen Facebook-Account auf das Posten von Inhalten in thematisch passenden Facebook-Gruppen. Hier ist die Resonanz auf Posts meistens deutlich höher.

 

Veranstaltungswerbung und Einblicke in den Museumsalltag

Museen die aktiv bei Facebook unterwegs sind, haben sich früher oder später auch einen Instagram-Account zugelegt. In Brandenburg sind es 23 Museen. Andere Netzwerke spielen kaum eine Rolle. Ebenso gibt es keine Blogs. Acht Museen stellen eher unregelmäßig Videos bei Youtube ein, wobei beispielsweise das Spielzeugmuseum Kleßen im Havelland mit Filmen zu seinen Eisbahnplatten Clickzahlen im mittleren vierstelligen Bereich generiert. Auf dem AG-Treffen stellten Tim Köhler und Robert Büschel vom Stadtmuseum Cottbus ihren Vlog „Montags im Museum“ vor, der in inzwischen 12 Folgen launig über die Arbeit im Museum berichtet - ohne das dafür übermäßig Aufwand betrieben wird. Im Ganzen betrachtet werden die sozialen Netzwerke in den brandenburgischen Museen vor allem als Werbeplattform  für Veranstaltungen oder für „Einblicke in den Museumsalltag“ genutzt. Formate, die versuchen eine Kommunikation mit oder eine aktive Teilhabe der Community anzuregen, haben noch Seltenheitswert.

 

Der Mut anzufangen

In den Diskussionen während des Treffens wurde deutlich, dass vor allem der Faktor Personal und damit einhergehend die fehlende Zeit eine wirkungsvollere Arbeit mit den Sozialen Medien verhindert. Im Schnitt decken in einem brandenburgischen Museum drei Personen den gesamten Museumsbetrieb von der Leitung und Verwaltung, über die Ausstellungs-, Vermittlungs- und Sammlungsarbeit bis hin zur Öffentlichkeitsarbeit ab. Da fällt es oft schwer, die Arbeit mit den Sozialen Medien strategisch aufzubauen. Der Mut einfach einmal anzufangen ist vielerorts vorhanden, das ist grundsätzlich positiv. Aber die Fallstricke im Modus des Ausprobierens sind vielfältig und damit die Ernüchterung manchmal groß. Grundsätzlich existieren strategische Überlegungen zum Einsatz und zu den Zielen der Arbeit mit Sozialen Medien, das gilt vor allem für die Öffentlichkeitsarbeit. Überlegungen dazu, wie Formate auf diesem Feld  z.B. in die Vermittlungs- und/oder Sammlungsarbeit des Museums integriert werden können, stecken noch in den Anfängen.


Positives Fazit

Dennoch fällt das Fazit positiv aus. Die Stimmung war deutlich pro Nutzung sozialer Netzwerke in der Museumsarbeit. Angedacht ist ein „Stammtisch Soziale Medien“, in dem Museumsmitarbeiter*innen sich in kleiner Runde regelmäßig treffen und Erfahrungen austauschen. Um weiter auf dem Stand der aktuellen Diskussion zu sein, ist eine kleine Linkliste entstanden, die stetig aktualisiert wird. Gewünscht wurde darüber hinaus eine stärkere Zusammenarbeit der Museen in den sozialen Netzwerken, vielleicht fängt es zukünftig ganz profan mit einem gemeinsamen Hashtag an. Wir werden sehen und hier berichten ….

 

PS. Auf dem Treffen stellten Robert Büschel und Tim Köhler aus dem Stadtmuseum Cottbus auch die neue Web-App zur „Sportstadt Cottbus“ des Museums vor. Hierzu bald mehr in unserem Blog!

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